Memento mori
Johanna Florentina Sausenhofer, Kastnerin zu Dollnstein (+1704)

 

Außer dem stattlichen Kastenhof in der Papst-Viktor-Straße nahe dem Petersturm erinnert heute nur noch ein Grabstein an der Rückwand der Kirche an die Kastner des Amtes Dollnstein. Sie waren bürgerlicher Herkunft und verwalteten unter der Aufsicht des Pflegers die herrschaftlichen Einkünfte des Amtes. Da damals die "Steuern" der Untertanen zum allergrößten Teil in Form von Naturalabgaben geleistet wurden, spielte dabei die Verwaltung  des „Kastens“ , des Speichers, in dem die Abgaben gesammelt und teilweise auch längere Zeit zwischengelagert wurden, eine große Rolle. Daher die Standesbezeichung "Kastner".

Kastner sind in Dollnstein nachgewiesen von 1449 bis 1806.

Von 1698 bis 1707 war Wolfgang Ignatius Sausenhofer Kastner des Amtes Dollnstein. Verheiratet war er mit Johanna Florentina Billmair, die am 7. November 1704 im Kindbett starb und in der Pfarrkirche begraben wurde. Über die näheren Umstände ihres Todes berichtet das ausdrucksstarke ergreifende Epitaph, wahrscheinlich eine Arbeit des bedeutenden Eichstätter Bildhauers Christian Handschuher.

 Schon umfasst der Tod mit seinem linken Arm das neugeborene Kind mit dem vollen Gesicht, das ahnungslos aus dem Kissen in die Welt schaut. Mit dem anderen Arm schleudert er bereits den Speer auf  die junge, üppige Frau mit der hohen Frisur, die in jähem Todesschrecken umsinkt. Die Bildmitte bilden das Kreuz mit dem sterbenden Heiland und zu dessen Füßen der Pelikan. Mit dem Blut aus den Wunden, die er sich selber geschlagen hat, nährt er seine Jungen  und wurde so in der darstellenden Kunst zum Symbol für den Opfertod Christi - alles zusammen ein Bild von tiefer Empfindung und Wirkung, das auch heute nach 200 Jahren noch ergreifend aus dem Steine zu uns redet. Die Schrift darunter berichtet und mahnt zugleich:
 

Angesichts eines oft unerwarteten und jähen Ende des eigenen Lebens mahnt das Epitaph der Johanna Florentina Sausenhofer,
immer bereit zu sein – eine auch für unsere Zeit aktuelle Botschaft.

 

 "Auf befelch Gottes, des Allerhöchsten, den 7. November 1704. Nachts zwischen 8 und 9 Uhr hat der Tod die Muetter sambt dem kind in die Ewigkeit gehollet: Die WolEdl und gestrenge Frau Johanna Sausenhoferin, ein gebohrne Billmairin und Kastnerin zu Dollnstein, alt 28 Jahr. Gott gebe ihr die ewige Rueh.

Du aber, o Mensch, halte dich fertig jeder Zeit auf gleichen befelch Gottes zu wandern in die Ewigkeit, denn der dag und die stundt ist unbekandt.“

Vom tiefen Glauben des von diesem Unglück getroffen Vaters zeugt das Schriftband, das der Engel rechts vom Gekreuzigten hält:

"Wie es dem Herrn gefallen hat, also ists geschehen".