*1878   Johann Baptist Pöhnlein   +1962

 Pfarrer in Dollnstein 1921 - 1933


Pfarrer Johann Pöhnlein  ca. 1930
Wer sich für die Dollnsteiner Geschichte interessiert, kommt an ihm nicht vorbei: Johann Baptist Pöhnlein, Pfarrer in Dollnstein von 1921 bis 1932. Als Heimatforscher ist er  hier  vor allem bekannt durch seine drei Hefte "Alt-Dollnstein". Fast in Vergessenheit geraten sind sein fruchtbares seel-sorgerliches Wirken und seine Bautätigkeit in der Pfarrei.

Lebenslauf
J. B. Pöhnlein ist am 4. Dezember 1878 in  Bobingen im Bistum Augsburg geboren. Er besuchte in Eichstätt das Humanistische Gymnasium und studierte an der dortigen philosophisch - theologischen Hochschule. Am 5. Juli 1903 wurde er von Bischof Franz Leopold Freiherr von Leonrod im Eichstätter Dom zum Priester geweiht. In den Jahren seiner Kaplanstätigkeit wirkte er in Kipfenberg und Wemding, ab 1907 als Benefiziat in Erasbach. 53 Jahre war er danach Pfarrer: von 1909 bis 1921 in Illschwang, vom 5. Dezember 1921 bis 31.10 1933 in Dollnstein und danach bis zu seinem Tod in Sulzdorf im Landkreis Donauwörth.  Von Bischof Josef Schröffer wurde er mit dem Ehrentitel  eines bischöflich-geistlichen Rates ausgezeichnet. Am 11. Juni 1962 starb er im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Neuburg an Altersschwäche.
Der Heimatforscher
Sein ganz besonderes Interesse galt der Heimatgeschichte an den Orten seines Wirkens.  Er wertete Pfarrregistraturen und Archive aus und publizierte die Ergebnisse seiner Forschungen in allgemein verständlicher Art in Zeitungsartikeln und in seinen Broschüren . So schrieb er schon 1914 und 1915 in Illschwang das "Kriegsbüchlein eines oberpfälzischen Dorfes im 30-jährigen Krieg", die Hefte "Der Propst von Illschwang" und "Merkwürdigkeiten aus der alten Propstei Illschwang".  In den beiden Heften "Die letzte hl. Messe in Illschwang Pfingsten 1542" und "Katholische Gegenreformation in Illschwang" geht er den lokalen Ereignissen in der Reformation ebenso nach wie der katholischen Restauration im 17. Jahrhundert.
In den Jahren 1926 und 1927erschienen im Verlag Brönner&Daentler in Eichstätt die drei Hefte "Alt-Dollnstein  -  Darstellungen aus der Vergangenheit", in denen Pöhnlein so gut wie alle in der Pfarrregistratur vorhandenen schriftlichen Quellen auswertet, verständlich erläutert, mit dem ihm eigenen Humor würzt und auch immer wieder Wehmut erkennen lässt über die vergangene "Herrlichkeit" Dollnsteins.

Aber er stand mit beiden Beinen auch in seiner Gegenwart: In seiner Chronik über seine Zeit als Pfarrer in Dollnstein berichtete er detailgenau über Ereignisse in den bewegten Jahren seiner Tätigkeit in der Pfarrei, die geprägt waren von der Inflation und Geldentwertung, der Weltwirtschaftskrise und dem Aufstieg der NSDAP. Dazu klebte er zahlreiche Zeitungsausschnitte und Fotos und sogar die (wertlos gewordenen) Geldscheine. Vor allem verdankt der Markt Dollnstein Pöhnlein auch, dass mit der in den vorderen Umschlag der Chronik eingeklebten Zeichnung des Zimmermeisters Joseph Ruf aus dem Jahr 1835 die einzige verlässliche Darstellung der Dollnsteiner Burg erhalten blieb. Diese handschriftliche Pfarrchronik Pöhnleins ist eine wertvolle Fundgrube der Heimatkunde und ein kaum zu hoch einzuschätzendes Geschichtsdokument der Jahre von 1921 bis 1932 in Dollnstein.

Der Pfarrer
Wegen seines freundlichen, umgänglichen und gütigen Wesens war Pfarrer Pöhnlein bei den Menschen sehr beliebt. Aus seiner Chronik spricht das stete Bemühen um das geistliche Wohlergehen der ihm anvertrauten Menschen. Stets versuchte er auch auf der Höhe der Zeit zu bleiben und die entsprechenden Einrichtungen zu schaffen. Die Zunahme der NSDAP auch in Dollnstein betrachtete er mit großer Sorge.
1923 beschaffte er auf Drängen des damaligen Organisten, des Lehrers Hofmann, eine neue Orgel für die Pfarrkirche. Da damals die Inflation auf ihren Höhepunkt zutrieb, wurde sie mit Sachspenden der Bürger, vor allem Holz, Getreide und Kartoffeln "bezahlt" und an Weihnachten 1923 eingeweiht.

Das "Marienheim" in der Pappenheimer Straße - Wohnung der Schwestern, Nähschule und Kinder-garten zugleich

1924 ging von Pöhnlein der ent-scheidende Anstoß zur Gründung einer Niederlassung der "Niederbronner Schwestern" in Dollnstein aus. Aus den Mutterhaus in Neumarkt sollten eine Kranken-schwester, eine (Hand-)Arbeits-lehrerin und eine Kindergärtnerin nach Dollnstein kommen. Um die organisatorischen Voraussetzun-gen für die Krankenpflege zu schaffen, gründete Pöhnlein 1924 den Verein "Ambulante  Kran-kenpflege". 1929 kaufte er das nicht mehr benötigte "Baumeister-Haus" an der Pappenheimer Stra-ße und ließ es zum Marienheim umbauen, in dem die Schwestern wohnten sowie  eine "Nähschule" und die "Kinderschule"  (Kinder-garten)  Platz fanden. Die segens-reiche Tätigkeit der Schwestern am Ort dauerte bis August 1987.

Die "Niederbronner Schwestern" mit Pfarrer Johann Pöhnlein in den 1950er Jahren.
 

Das ein großes Anliegen Pöhnleins war jedoch schon vom Anfang seiner Tätigkeit an der Umbau und die Erweiterung und der Pfarrkirche St. Peter und Paul, die zu klein geworden war. Aber erst in den Jahren 1931/32 konnte diese große Baumaßnahme durchgeführt werden. Das Langhaus wurde um einige Meter nach hinten verlängert, Seitenschiffe angebaut und der Chorbogen verbreitert. Die Pläne zeichnete der in Dollnstein geborene Nürnberger Ludwig Ruff, einer der bekanntesten Architekten seiner Zeit, der auch an Planung der Kongresshalle auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg beteiligt war.

Die Pfarrkirche St. Peter vor dem Umbau



Kirche nach dem Umbau (rechtes Bild)

 

Zwei Episoden aus dem Leben Pöhnleins
 

Bootsfahrt auf der Altmühl

Der spätere Hochschulprofessor und Regens Dr. Andreas Bauch, geboren in Ensfeld, war zu Beginn seines priesterlichen Wirkens Kaplan in Dollnstein bei Pfarrer Pöhnlein. In seinem Buch "Priester in Veranwortung" berichtet er:

"Zuerst kam ich nach Dollnstein zu Pfarrer Pöhnlein. Das war ein Romantiker! Der Kaplan musste mit ihm mit Lampions auf der Altmühl kahnfahren - im Sommer, im August, war es gewesen. Dabei sangen wir "Santa Lucia", und wehe, wenn ich nicht fest mitgesungen hätte!  Bald darauf fuhr er in Urlaub, und mich hat er allein zurückgelassen, bis er wiederkam.

Na ja, das war nur ein Präludium, ein Vorspiel. Aber dann wurde ich nach Eibach versetzt. Diaspora! ...

 

Das Sulzdorfer Kriegerdenkmal

Der letzte Ort von Pöhnleins seelsorgerlichem Wirken war Sulzdorf im heutigen Landkreis Donau-Ries. Dort sollte 1933 der Friedhof bei der Kirche erweitert werden und darauf auch das Kriegerdenkmal für die Gefallenen und Vermissten des 1.Weltkrieges errichtet werden. Doch das Nationalsozialistische Regime wollte dieses nicht neben der Kirche haben. Der neue Friedhofsteil musste also 1934 also ohne Kriegerdenkmal eingeweiht werden.
Das Denkmal wurde dann außerhalb des Ortes errichtet. Als es Pfarrer Pöhnlein einweihen sollte, verweigerte er dies, wenn nicht in den Stein auch ein Christusmonogramm eingemeißelt wurde. Erst als diese Bedingung erfüllt war, weihte es Pöhnlein am
1. Mai 1935  ein.
1962 wurde das Denkmal dann auf Bitte der Mehrheit der Bürger in den Friedhof verlagert. Dabei wurde auch der Stein mit den Christusmonogramm eingearbeitet.