Hans Schäufelin (Schäufelein) – Das Abendmahl

Betrachtung zur Bildtafel in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Dollnstein

Das Abendmahlsgemälde auf dem rechten Seitenaltar gehört zu den großen Kostbarkeiten der Dollnsteiner Pfarrkirche St. Peter und Paul. Aufgrund stilistischer Vergleiche steht unzweifelhaft fest, dass Hans Schäufelin (Schäufelein) es wohl um 1509/1510 gemalt hat.
Das Format der Bildtafel und das dargestellte Thema legen die Vermutung nahe, dass sie ursprünglich als Predella zu einem Altar gehörte. In der bildenden Kunst versteht man darunter die Gemälde oder Schnitzereien unterhalb des Altarbilds, unmittelbar über dem Altartisch. Die Predella hat oft thematischen Bezug zu den darüber dargestellten Szenen; bei einem Marienzyklus ist darauf z.B. der Tod Mariens oder bei einem Passionszyklus die Beweinung Christi oder seine Grablegung dargestellt (siehe Relief auf dem linken Seitenaltar der Dollnsteiner Kirche). Wegen der Nähe zum Altartisch und wegen des breiten, niedrigen Bildformats ist aber auch die Darstellung des letzten Abendmahls ein verbreitetes Predellen-Motiv. In das lang gestreckte Querformat, das eine Predella erfordert – in Dollnstein hat die Tafel die Ausmaße von 110 mal 38 cm - ließ sich die Abendmahlsdarstellung gut integrieren.

Auf dem Gemälde haben sich Jesus und die Jünger um einen gedeckten Tisch versammelt. Im Mittelpunkt sitzt Jesus. Durch den Heiligenschein und das rote Tuch, das ihn und den nahe bei ihm ruhenden Johannes hinterfängt, ist er zusätzlich hervorgehoben. Die Apostel sind zu zweit oder zu dritt gruppiert und befinden sich in einem lebhaften Austausch. Ihre differenzierten Gesichtausdrücke und lebhaften Gesten vermitteln einen Eindruck davon, wie intensiv sie miteinander diskutieren. Vor dem Tisch sitzt Judas, der durch sein gelbes Gewand und die roten Haare besonders auffällt. Als sichtbares Zeichen seines geplanten Verrates trägt er einen roten Geldbeutel um den Hals, den er mit einer Hand festhält, während er die andere wie abwehrend leicht erhoben hat. Zwei Falten in der gemusterten Tischdecke vor ihm heben seine Gestalt zusätzlich hervor.

Judas gegenüber steht an der gleichen Tischseite ein weiterer Jünger, der einen Becher in der Hand hält und diesen schwungvoll mit Wein füllt. Zusammen mit Jesus und Judas bildet dieser Jünger ein das Bild beherrschendes kompositorisches Dreieck.

Schäufelin verzichtet in seinen Abendmahlsbildern auf das Bildmotiv des Christus, der Judas den Bissen reicht und damit auf seinen Verrat hinweist. Vielmehr betont er die Verehrung von Brot und Wein als wesentliche Bestandteile des letzten Abendmahls. So auch im Dollnsteiner Bild. Der Jünger neben Jesus verneigt sich mit demütig vor der Brust gekreuzten Armen vor dem auf dem Tisch liegenden Lamm, während der rechts außen sitzende mit ausgestrecktem Finger auf den Becher in seiner Hand weist. Der große Behälter vor dem Tisch, in dem der Wein gekühlt wird, nimmt eine hervorgehobene Stelle in einer Achse mit Christus und dem Passah-Lamm auf dem Tisch ein.

Offensichtlich steht im Bild Schäufelins weniger der Moment des Verrats des Judas im Vordergrund, als die Einsetzung des Altarsakramentes. Die Gruppen der Jünger sind nicht Judas zugewandt, sondern sprechen bewegt über das Unfassbare, das in dieser Stunde geschieht oder verneigen sich ehrfurchtsvoll vor dem auf dem Tisch liegenden Osterlamm. So möchte das Dollnsteiner Gemälde auffordern zur Ehrfurcht vor dem Geheimnis der Eucharistie und zur würdigen Teilnahme.

Quelle: Katalog zur Landesausstellung Baden-Württemberg „Grünewald und seine Zeit“ 
 

Vom 8. Dezember bis 2. März 2008 war das Gemälde in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe bei der Landesaustellung "Grünewald und seine Zeit" ausgestellt. Seit dem 28.08.2008 ist es wieder an seinen angestammten Platz im rechten Seitenschiff der Pfarrkirche St. Peter in Dollnstein zurückgekehrt. Seitdem ist es mit einem speziellen entspiegelten Glas geschützt. Thermisch vorgespannt schützt es das Gemälde vor UV-Strahlen nach der strengen US-Norm, die strenger ist als die in Deutschland geltenden Normen für Museumsglas.

Hans Schäufelin (Schäufelein)

Hans (Leonhard) Schäufelin oder Schäufelein, geboren um 1480/1485 wahrscheinlich in
Nürnberg, gestorben um 1538 oder 1540 in Nördlingen, war ein deutscher Maler, Grafiker, insbesondere Holzschneider und Buchillustrator der Dürerzeit mit dem Künstlerzeichen einer Schaufel.
 
Er arbeitete
1503 bis 1507 in der Werkstatt Albrecht Dürers in Nürnberg, von dem er künstlerisch stark beeinflusst ist.  1507-08 stand er im Dienste Hans Holbeins des Älteren in Augsburg, wo er zu einem eigenen, von Dürer losgelösten Stil fand. Seine Wanderungen als Geselle führten ihn nach Tirol und Augsburg. 1515 wurde er Stadtmaler von Nördlingen, wo er bis zu seinem Lebensende wirkte. Für das dortige Rathaus schuf er noch im selben Jahr ein großes Fresko.
 

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Siehe auch:

Gotische Fresken

Fresken von Josef Bergmann

Sonstige Kunstwerke in der Pfarrkirche