Die Fresken von Josef Bergmann
in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Dollnstein

 
Bei der grundlegenden Umgestaltung der Dollnsteiner Pfarrkirche nach dem 2. Weltkrieg sollte das theologische Thema der Chorfresken (siehe dort) im Kirchenschiff  fortgeführt werden, und zwar sowohl  inhaltlich, als auch formal, d. h. auch in strenger Anlehnung in den Farben, in der Bildkomposition und in den Texten an das mittelalterliche Vorbild.
In dieser Absicht wollte  Professor Josef Bergmann, München, ein bedeutender Kirchenmaler seiner Zeit, den Chorbogen und die beiden Seitenwände mit Bildern aus dem Leben des hl. Petrus bemalen. Aber auch Paulus, von dem sich bis dahin in der Kirche kein Bild befand, sollte dabei den ihm gebührenden Platz erhalten, und nicht zuletzt sollte heilsgeschichtlich mit Aussagen aus der Offenbarung des Johannes und einer Darstellung des Jüngsten Gerichts der Bogen bis zur Erlösung der Menschheit am Ende der Zeiten fortgeführt werden.

Zunächst gestaltete Bergmann 1951 die Flächen des Chorbogens. Im Gewölbescheitel  thront inmitten einer unterbrochenen Mandorla auf dem Buch mit 7 Siegeln sitzend das apokalyptische Lamm. Hinter ihm erheben sich die
7 Hügel des neuen Jerusalem. Von links  und rechts schreiten als beherrschende Figuren des Freskos St. Petrus und St. Paulus, die Patrone der Dollnsteiner Pfarrkirche, in ehrfurchtsvoller Haltung auf das Lamm zu. Sie führen die Kirche Christi auf Erden -  sie ist symbolisiert in den beiden stilisierten altchristlichen Heiligtümern hinter ihnen - dem Lamm Gottes zu, in dem die Erlösung Wirklichkeit wurde.

 

Die zugehörigen Inschriften erschließen uns die Botschaft dieser Fresken:

Inschrift über dem Lamm: „Seht das Lamm Gottes“

Inschrift unterhalb der Decke oberhalb von Petrus und Paulus:

„Würdig bist du o Herr das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen. Denn du bist geschlachtet worden und hast uns durch dein Blut losgekauft für Gott aus allen Stämmen und Sprachen, Völkern und Nationen“ Offenbarung 5/9

Inschrift entlang des Chorbogens:

„Weine nicht, denn siehe: Gesiegt hat der  Löwe aus dem Stamme Juda, der Sproß Davids. Er wird das Buch mit seinen sieben Siegeln öffnen." Aus der Geheimen Offenbarung des heiligen Johannes  5/5“

Abschließende Inschrift links:

 „Ihr seid losgekauft durch das kostbare Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel
1 Petrus 1/19“

Abschließende Inschrift rechts:

„Ihn hat Gott in seinem Blut als Sühnopfer bestellt." Römer 3/25

Auf beiden Seiten des Bogens gruppieren sich in Halbfiguren die 4 Evangelisten mit ihre Symbolen, links Johannes mit dem Adler und Matthäus mit dem Engel (Menschen), rechts Lukas mit dem Stier und Markus mit dem Löwen.

Allgemeine Schrifttexte schließen das Fresko jeweils  nach unten ab. Sie betonen die Bedeutung der Frohen Botschaft  

Links:Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Math. 24/35“

Rechts: „Verkündet das Evangelium aller Kreatur Mk. 16/15“

Im Juli 1952 sollte auf der fensterlosen Turmseite das Bild vom Jüngsten Gericht entstehen. Die Inschrift weist darauf hin: „Der Menschensohn wird erscheinen in seines Vaters Herrlichkeit samt seinen Engeln Mt. 23/10“

6 Apostel zur Rechten des Weltenrichters waren bereits fertig, und Bergmann freute sich ganz besonders über das gelungene Antlitz Christi,  als er plötzlich erkrankte und dann nur unter Aufgebot seiner letzten Kräfte die ganze Gestalt fertig machen konnte. Danach musste er die Arbeit unterbrechen und im baldigen Tod ganz aus der Hand legen. Mit den Dollnsteiner Fresken beendete der Künstler sein Schaffen.


Der Maler Josef Bergmann

Josef Bergrmann wurde am 1. November 1888 in Amberg geboren und starb am 29. September 1952 in München. Er studierte an der Münchener Kunstakademie, war 1914/18 Soldat im 1. Weltkrieg und setzte danach von 1918-20 sein Studium in Linz  fort. Seine Werke sind geprägt von einem flächenhaften Monumentalstil nach dem Vorbild der Mosaiken von Ravenna.
Weitere Werke Bergmanns befinden sich in den Kirchen in Olching (Szenen aus der Apostelgeschichte), Edelshausen (Deckenbild "Der Weltheiland" u. a.), Steinwiesen bei Kronach (Eva und Maria Immaculata), Aschheim (Hl. Cäcilia) München St. Maximilian (Riesenfigur der hl. Christophorus in der Taufkapelle) und in weiteren Kirchen wie in München-Riem, Kirchseeon, Kempten und am Rathaus in Murnau. Die Fresken in der Dollnsteiner Kirche waren sein letztes (unvollendetes) Werk. Er galt als bedeutender Freskenmaler seiner Zeit..
 

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Siehe auch:

Gotische Fresken

Das Abendmahlsgemälde  von Hans Schäufelin

Sonstige Kunstwerke in der Pfarrkirche