Die gotischen Fresken in der Dollnsteiner Pfarrkirche

 Der gotische Freskenzyklus im Chorraum der Kirche, entstanden wahrscheinlich im Zeitraum zwischen 1320 und  1330,  ist ihr bedeutendstes Kunstwerk . Das theologische Programm dieser Wandmalereien ist die Verkündigung des Glaubens: Von den Verheißungen der Propheten  spannt sich ein großer inhaltlicher Bogen  über die Erlösung durch Christus bis hin zur Verkündigung der Frohen Botschaft  durch die Apostel und zu ihrer Entfaltung durch die 4 Großen abendländischen Kirchenlehrer, die wohl als Stellvertreter  für alle Theologen gesehen werden können.

Inhaltlicher Mittelpunkt dieses "Verkündigungs-programms"  sind die
12 Apostel
mit ihrem jeweiligen Attribut, so
 z. B. Petrus mit dem Schlüssel. In der anderen Hand trägt jeder von ihnen trägt ein Spruchband mit einem Artikel des Aposto-lischen Glaubensbekennt-nisses.
 

Über ihnen sind in  Brustbildern 12 Pro-pheten abgebildet. Der Satz auf dem Spruchband jedes Propheten ist einer seiner Schriften entnom-men und steht in inhalt-lichem Zusammenhang mit dem jeweiligen Artikel des  Glaubensbekennt-nisses.


An der nördlichen Chorjochwand ist links in einer seltenen Darstellung Christus als Schmerzensmann mit Rutenbündel dargestellt, daneben die Kirchenväter Gregor und Hieronymus, die symbolisch wie beschützend auf einer Kirche stehen.


Die südliche Jochwand zeigt neben dem Apostel Matthias (links) die beiden Kirchenväter Ambrosius und Augustinus.

Den heutigen Betrachter mögen die Chimären, die fratzenhaften Masken und Ungeheuer in den Gewölben, recht seltsam anmuten. Den Kirchenbesuchern in der Zeit der Gotik gaben sie jedoch keine Rätsel auf. Sie wussten, dass sie das Böse darstellen sollen, vor dem es sich in Acht zu nehmen galt und das überall zugegen sein kann - in Form böser Gedan-ken auch beim Gottesdienst -
Zusätzlich erfüllen die Mas-ken noch einen anderen Zweck: Sie markieren die Schalllöcher in den Gewölbe-kappen und -zwickeln. Hinter jedem dieser Löcher befindet sich eine große Tonvase, die den Schall verstärkt. Damit wird im Chorraum eine optimale Akustik erreicht.

 

 

Durch die künstlerische Darstellung ganz besonders hervorgehoben ist Maria als die apokalyptische Frau, von der Sonne umstrahlt und den Mond zu ihren Füßen.     („Dollnsteiner Madonna").
 

 

Wegen des Strahlenkranzes wurde dieses Fresko früher unzutreffend auch als "Madonna in der Mandorla" bezeichnet. Mandorla (italienisch für Mandel) bedeutet aber eine geschlossene Gloriole oder Aura rund um eine ganze Figur. Sie kann kreis-, ellipsen- oder mandel-förmig sein.

Das Wort "virgo", Jungfrau, und die Lilie in ihrer linken Hand  weisen auf Mariens Jungfräulich-keit hin. Besonders ansprechend ist die innige Beziehung zwischen Mutter und Kind.

 

 

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Siehe auch:

Fresken von Josef Bergmann

Das Abendmahl von Hans Schäufelin

Sonstige Kunstwerke in der Pfarrkirche