Die Pulverhöhle

 


Die Pulverhöhle bei Breitenfurt

 

Die Pulverhöhle am Hang des Altmühltals östlich von Breitenfurt ist eine der Höhlen, die von der Urdonau  aus dem Untergrund herausgearbeitet wurde, als sie sich ihren Weg durch die Fränkische Alb suchte.

 

 

Die Überhänge und Höhlen boten den Menschen Schutz vor Regen und Kälte. Die Pulverhöhle und viele andere stienzeitliche Höhlen in unserem Gebiet lagen ein Stück über dem Talgrund, waren also hochwasserfrei, und lagen in der Nähe des Flusses, der Wasser bot und dessen Fische den Speiseplan zum Fleisch der Wildtiere bereicherte. Asche- und Kohlenreste lassen darauf schließen, dass die erlegten Tiere zum Essen zubereitet wurden.

 


Carl Gumpert bei der Arbeit

 

Durch einen Glückfall fuhr der Vor- und Frühgeschichtsforscher Carl Gumpert aus Ansbach (er hat auch in den Höhlen von Mauern bei Rennertshofen und im Höhlen Stein bei Schambach gegraben) nach dem 2. Weltkrieg an Breitenfurt vorbei und entdeckte vom Zug aus diese Höhle.

 

 

Gumpert mit Breitenfurter Helfern

 

In den Jahren 1949/50 kam er dann hierher und grub zusammen mit seinem Assistenten und den Breitenfurter Helfern Heinz Schniebel, Ludwig Rucker sen. und Josef Klieber in der Höhle. Das Ergebnis: In der Höhle wohnte schon vor mehr als 50 000 Jahren der Neandertaler. Ein Faustkeil und viele andere Steinwerkzeuge beweisen dies.

Charakteristische Tiere der eiszeitlichen Tundren- und Kältesteppenlandschaft waren Eisfuchs, Ren, Wollnashorn und Mammut.

Knochen dieser Tiere wurden von Gumpert in den beiden tiefsten Grabungsschichten über dem Felsboden gefunden. Weitere Skelettreste aus diesen unteren Schichten lieferten der Höhlenbär, Braunbär, die Höhlenhyäne, Wolf, Luchs, Wildpferd, Edel- und Reisenhirsch, Bison, Wildschafe, kleine Nagetieren wie Schneehase, das Schneehuhn, der Birkhahn und andere Vögel. Besonders häufig war das Vorkommen des Steinbocks. Man fand Reste von mindestens 18 erwachsenen und 3 jungen Tieren dieser Art. Diese Knochenreste wurden vor etwa 100 000 bis 20 000 Jahren in der Höhle abgelagert. Da sich in den Schichten aus zahlreiche altsteinzeitliche Werkzeuge fanden - so neben einer Reihe von Abschlägen aus Hornstein etwa ein Faustkeil und einige Schaber aus der Zeit des Neandertalers - kann man annehmen, dass die Knochenreste von der Beute der altsteinzeitlichen Jäger stammen. Wahrscheinlich wurde ein Großteil der Skeletteile auch von Hyänen in die Höhle geschleppt, sie waren neben den Höhlenbären die einzigen echten Höhlenbewohner unter den genannten Tieren.

 

Die Höhle war nicht ständig bewohnt, sondern diente den eiszeitlichen Jägern immer wieder nur als Zwischenstation. Und dies bis zum Ende der Steinzeit, denn in der Pulverhöhle wurden auch Werkzeuge aus späteren Zeiten gefunden, so etwa ab der Zeit ausgehenden Steinzeit etwa 10 000 – 8000  v. Chr.

 

Als typische Steinwerkzeuge dieser Stufe kann man Klingekratzer, Stichel, kantenretouchierte Klingen erwähnen. Knochenreste von Rentier und Pferd beweisen, das diese Tierarten vor rund 12000 Jahren im Altmühltal und auf den Hochflächen noch frei lebten und dem Menschen als Jagdbeute dienten. Werkzeuge, die man – erstmalig in unserer Gegend - in einer Schicht aus der späten Eiszeit, also der Zeit von 8000 bis 4000 fand, machten die Höhle in der wissenschaftlichen Fachwelt besonders bekannt.

 

Die Eiszeit ging vor ca. 10000 Jahren endgültig zu Ende. Eine Klimaverbesserung führte zur Ausbreitung des Waldes. Nach wie vor war der Mensch aber Jäger und Sammler, begann aber, in Freilandsiedlungen zu leben. Eine solche fand man am Ausgang des Wilden Tales südlich von Breitenfurt.

Beim Absammeln der Felder konnte hier eine Anzahl charakteristischer Funde geborgen werden: Vorwiegend Klingen oder Klingenfragmente als Geschoßeinsätze und Messerspitzen, aber auch Kratzer und Stichel zur Bearbeitung etwa von Geweihstangen und Knochen, aus denen man Nähnadeln herstellte zur Anfertigung von Kleidungsstücken.

Links: Altsteinzeitlicher Faustkeil aus der Beixenstein-Höhle bei Ried

Übrige Bilder: Funde aus der Pulverhöhle

 

Es wird deutlich, dass der Breitenfurter Raum von der Altsteinzeit bis in die geschichtlich fassbare Zeit und damit bis heute kontinuierlich von Menschen besiedelt war; zunächst von umherstreifenden Jägern und Sammlern, später von sesshaften Menschengruppen, die hier in größeren Gemeinschaften (wie Familienverbänden) in einer Freiland-Siedlung lebten.

 

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