Geschichten aus der Geschichte (1)
 

Die Dollnsteiner Bauern proben den Aufstand (1524)
 

Gegen Ende des Mittelalters gerieten die Bauern infolge der hohen Belastung durch Abgaben und das eigenmächtige und oft rücksichtslose Handeln der Landesherren wirtschaftlich immer mehr unter Druck. Ausgelöst durch die von der Reformation propagierten Freiheiten wuchs in ihnen das Verlangen nach mehr Schutz vor Willkür, mehr Selbstverwaltung und nach religiösen Freiheiten. Immer häufiger wagten sie es, diese Forderungen auch offen kundzutun. Oft genügte ein kleiner Auslöser, dass es gar zur offenen Auflehnung kam.

In Dollnstein war es ein im Grunde unbedeutendes Ereignis, welches das Fass im Juni 1524 zum Überlaufen brachte, der sogenannte „Jagdfrevel von Dollnstein“. Hintergrund war der in der Bevölkerung gärende Unmut ob der Belastung durch Wild und Jagd. Die Fürsten, so auch der Dollnsteiner Landesherr, der Eichstätter Fürstbischof Gabriel von Eyb, ließen zur Förderung ihres Jagdvergnügens bewusst das Wild überhandnehmen. Deshalb richtete es auf den Feldern großen Schaden an. Der Rebdorfer Prior Kilian Leib berichtet in seinen „Annales majores“ (Jahrbüchern) über die damaligen Ereignisse.

Ein Dollnsteiner hatte in der Nähe Dollnsteins mit einer Büchse einen Hasen erlegt. Er wurde dabei von einem bischöflichen Jäger ertappt, der dem Wilderer Büchse und Jagdbeute abnahm. Das ließ die ohnehin gereizte Stimmung der aufgebrachten Bevölkerung des Marktes in offene Empörung umschlagen. Es kam zum tätlichen Angriff auf den bischöflichen Jäger. Die erbitterten Bürger attackierten den Amtsmann, nahmen ihm die Jagdwaffe ab und gaben sie dem Wilderer zurück.

Doch damit gab man sich noch nicht zufrieden. Der Unmut im Ort war so groß, dass die Bewohner jetzt den Aufstand probten. Eilends sandten sie Boten in die umliegenden Ortschaften und forderte die Menschen auf, an einem bestimmten Tag nach Eichstätt zu kommen. Dort wollte man „demonstrieren“ und dabei den Bischof auffordern, entweder die nicht mehr tragbare Wildmenge zu vermindern oder den Bauern umgehend zu erlauben, selber Wild zu jagen und zu fangen.

Die Beamten vor Ort bekamen davon Wind und informierten den Fürstbischof umgehend über den geplanten Protestmarsch. Das Domkapitel beschäftigte sich in einer Sitzung am 14. Juni mit der Empörung in Dollnstein. Offensichtlich waren die Domherren wegen der großen Zahl der sich versammelnden Bauern recht beunruhigt. In ihrem Beschluss forderten sie den Bischof auf, er solle durch geeignete Maßnahmen einen Aufruhr verhindern. Dieser reagierte prompt und wies seine Pfleger in den Pfleg- und Kastenämtern umgehend an, Ansammlungen der Bauern und ihren Marsch nach Eichstätt zu verhindern. Zur Abschreckung ließ er zwölf Einwohner Dollnsteins, die angeblich entscheidend am Aufruhr beteiligt waren, verhaften und ins Gefängnis werfen. Zusätzlich ordnete er an, bewaffnete Bauern schon an den Stadttoren Eichstätts abzuwehren. Durch diese schnellen Gegenmaßnahmen gelang es ihm zu verhindern, dass der Aufruhr weiter um sich griff.

In der angespannten Atmosphäre des Jahres 1524 wirkten die Ereignisse in Dollnstein trotz (oder wegen) der schnellen Beendigung der Unruhen durch den Bischof beispielhaft und schürten auch in anderen Dörfern den Unmut. Bald entstanden mehr und mehr Unruheherde. Sie erstreckten sich vom Hochstift Bamberg im Norden bis zum Hochstift Eichstätt im Süden. Der Bauernkrieg kündigte sich an. Im Frühjahr 1525 kulminierten die Ereignisse im Hochstift und es kam zu organisierten Bauernaufständen.  

Quelle: Josef Seger, Die Bauernkriege im Hochstift Eichstätt