Die Dollnsteiner feiern die Eröffnung ihrer Bahnlinie
12 . April 1870


Recht unterschiedlich wurde in Eichstätt und Dollnstein die Eröffnung der Bahnlinie Ingolstadt - Treuchtlingen am 12. April 1870 aufgenommen. Nur ein kurzer Hinweis am Vortag wies im »Eichstätter Kurier« auf das Ereignis hin. Danach herrschte Stille. Die Eichstätter Stadtchronik enthält überhaupt keine Notiz.

Anders in Dollnstein. Am 21. April 1870 schreibt der „Eichstätter Kurier“: „Hier hat sich der Tag der Eröffnung der Altmühlbahn (12. April) zu einem schönen Feste gestaltet. Es wurde für diesen Tag der Bahnhof Dollnstein mit Bäumchen, Kränzen und Flaggen reichlich geschmückt und eine Inschrift über dem Portale des Stationsgebäudes hieß die Gäste willkommen. Als der erste Zug früh 7 Uhr heranbrauste, empfing ihn festliche Musik; die versammelte Schuljugend sang die bayerische Nationalhymne, worauf Herr Bürgermeister Peißl ein Hoch auf Seine Majestät den König ausbrachte, in welches aus den Waggons heraus von den Passagieren kräftig eingestimmt wurde. Jeder folgende Bahnzug, der von Ingolstadt oder Treuchtlingen kam, wurde gleichfalls mit Musik und von den Sängern der Gesellschaft Concordia mit einem Liede begrüßt. In festlicher Stimmung war den ganzen Tag über viel Volk auf dem Platze des Bahnhofes versammelt; das unvermeidliche Nass aus berühmten Kellern fehlte nicht.

Gegen Abend tauchte der glückliche Gedanke auf, ein Telegramm an Seine Majestät den König abzusenden, das den Dank der Marktgemeinde Dollnstein und ein feierliches Hoch auf den Landesvater vermelden sollte. Schnell verbreitete sich dieser Gedanke unter der Menge und wurde mit Jubel aufgenommen. Es ging das Telegramm in bezeichnetem Sinne wirklich ab. Indessen nahte gegen 8 Uhr abends der letzte Zug von Treuchtlingen her. Als er hier einfuhr, war der Platz des Bahnhofes mit bengalischen Feuern prächtig beleuchtet. In diesem Augenblick war auch auf das abgesendete Telegramm eine Rückantwort von Sr. Majestät erfolgt, welche nun der Bürgermeister sogleich laut verlas und also lautete: „Herrn Bürgermeister Peißl in Dollnstein. Se. Majestät der König von dem soeben erhaltenen Huldigungs-Telegramm auf angenehmste berührt lassen der getreuen Marktgemeinde Dollnstein allerhöchst Ihren Dank und freundlichen Gruß entbieten“. Es erfolgte hierauf ein weithin schallendes Hoch dem allgeliebten König Ludwig II., von den Bewohnern Dollnsteins sowie den Passagieren des Zuges mit begeistertem Jubel gebracht. Das war der Höhepunkt des Festes, das in lieblicher und freundlicher Erinnerung für die hiesige Gemeinde bleiben wird. Denkwürdig bleibt es auch, das das allererste Telegramm von hier aus an den König abging, und das allererste Telegramm, welches hier einlief, waren die königlichen Worte, die wir mitgeteilt haben. Somit hat der Telegraph am Tag der Eröffnung der Altmühlbahn eine schöne Weihe erhalten."